27.07.2018 Freitag DLRG-Taucher säubern den Schwanenweiher in Weingarten - und fördern ungewöhnliches zu Tage...

schwaebische.de (Screeshot)

Die „Seeputzete“ im Schwanenweiher am Donnerstagabend hat erstaunliches zutage gefördert. Offenbar entsorgen Menschen nicht nur gerne Bierflaschen im beschaulichen Fischweiher unweit der Weingartner Hochschulen, sondern auch Mülleimer und Prospekte. Selbst einen Bürostuhl und Sexspielzeug haben die Taucher der Wasserrettung der DLRG (Deutsche Lebensrettungsgesellschaft) an die Oberfläche befördert.

Beschaulich liegt er da, der Schwanenweiher, idyllisch zwischen alten Bäumen gelegen, eingerahmt von einem Fussweg, der mit Ruhebänken bestückt ist. Die Abendsonne glitzert auf der grün-braunen Wasseroberfläche. Im östlichen Uferbereich steigen ganz regelmäßig Luftblasen auf, ebenso rhythmisch zischt es, wenn Taucherin Julia Hörl durch die Pressluftflasche Atem zieht. Seit etwa 20 Minuten ist sie am Grund des Schwanenweihers unterwegs, wühlt den Schlamm am Grund auf, fischt buchstäblich im trüben Wasser nach Fundstücken, die achtlose Besucher im Weiher versenkt haben. In einem engmaschigen weißen Netz fördert Julia schließlich ein halbes Dutzend Bierflaschen zutage.

Eigentlich gehört der Schwanenweiher der Stadt Weingarten, die jedoch hat den Weiher an den Fischereiverein verpachtet und der wiederum hat die DLRG Ortsgruppe Ravensburg um Hilfe gebeten. Der Schwanenweiher beherbergt nämlich neben Karpfen, Hechten, Schleien, Aalen und Forellen auch allerhand Unrat, weiß Kassier Thorsten Bilke. Zweimal jährlich bringe der Fischereiverein mit Hilfe seiner etwa 35 Mitglieder den Schwanenweiher in Schuss, die Fischer schnitten Büsche zurück, sammelten den umliegenden Müll ein, so Bilke. Dass hin und wieder Tauchgänge vonnöten sind, das liege daran, dass sich die Menschen rücksichtslos ausgedienter Utensilien entledigten. Und das ausgerechnet im Wasser.

„Fahrräder, einen Einkaufswagen, Absperrgitter – alles mögliche haben wir schon im Weiher gehabt“, erinnert sich Bilke. Der Einsatz der Taucher von der Wasserrettung des DLRG kostete eigentlich mindestens 500 Euro. „Dafür würden uns aber tatsächlich die finanziellen Mittel fehlen“, gibt Bilke unumwunden zu. Glücklicherweise nutzt die DLRG diese Seeputzete jedoch als Übung.

Während Julia Hörl den östlichen Uferbereich nahe der Zuflussquelle abtaucht, ist am westlichen Ufer – beim Weiher-Ablauf, dem sogenannten „Mönch“ – Peter Sieber auf Tauchstation gegangen. Seit 1974 ist Sieber, das „Urgestein der Rettungstaucher“, als Einsatztaucher für die DLRG unterwegs und hat schon Wasserleichen geborgen. Heute, am Schwanenweiher, findet er nichts wirklich Gruseliges. Aber ein bisschen angewidert ist er doch.

Nach mehr als 60 Minuten „Arbeit auf den Knien“, in denen er wie ein Scheibenwischer den Weihergrund abgesucht hat, taucht Sieber auf und gesteht: „Das ist wie Gülle dort unten, man sieht nichts und anstrengend ist es auch“. Seine schwerste Ausbeute: Ein Metallteil, das sich bei näherem Betrachten als schulkindgrosses Hinweisschild der Hochschule entpuppt. Ehedem hochglanz poliertes Edelstahl, wuchtet Sieber es als verbogenes, dreckiges Ungetüm an Land. „Fach Technik“ steht zu lesen.

Am Weiherrand türmt sich schließlich ein stattlicher Haufen an Müll, den die beiden Tauchtrupps aus dem Weiher geborgen haben und den der Bauhof nun entsorgen muss: Dutzende Flaschen, zwei städtische Mülleimer, ein Bürostuhl, den man vor der Versenkung noch seiner Rollen beraubt hat. Stückholz, so dick wie ein muskulöser Oberschenkel, ein Metallspieß, ein noch original verschnürter Packen an Werbeprospekten. Wasserfundstücke, zu denen die Schaulustigen am Schwanenweiher allerhand Vermutungen über die mentale Verfassung der illegalen Entsorger anstellen. Betrunkene, lernmüde oder frustrierte Studenten, unterbezahlte Prospektausträger – so spekulieren die Beobachter. Und selbstverständlich ranken sich um den aus dem Bodenschlick gezogenen Dildo auch schnell Vermutungen.

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Von: schwaebische.de

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